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Alina Bronsky: Die schärfsten Gerichte der tatarischen Küche

Meine Bücherauswahl im letzten Jahr war doch größtenteils eher mittelmäßig, näheres dazu noch im Jahresabschluss. Frau Bronsky hat es aber dann doch noch geschafft mich wieder mit dem geschrieben Wort  zu versöhnen. So endete 2010 gut und 2011 begann auch gleich erfreulich.^^

Inhalt:

Rosalinda Kalganowa ist eine Tatarin, auch wenn sie die meisten Traditionen nicht kennt, so fühlt sie sich doch wie eine. So sollen ihr Name, der ihrer Tochter und der Enkelin auf gar keinen Fall russisch, sondern tatarisch ausgesprochen werden.
Gemeinsam mit ihrem nichts nutzigen Mann Kalganow, der Tochter Sulfia und der Mitbewohnerin Klavdia wohnt sie in einer kleinen Wohnung in einer hässlichen Siedlung in der Sowjetunion, als wie durch ein Wunder, ihre Tochter schwanger geworden ist. Wie genau das passieren konnte, können sich alle nicht so recht erklären. Die jämmerlichen Abtreibungsversuche sind zum Scheitern verdammt und so bringt die, in Rosalindas Augen, dumme und nichts könnende Sulfia zu ihrem Erstaunen eine hübsche Tochter auf die Welt, Aminat. Fortan ist Rosalindas Leben von Aminat bestimmt, sie kümmert sich um sie und erzieht sie. Immer wieder werden ihr Steine in den Weg geworfen, Sulfia haut ab und nimmt das Kind mit, lässt sie Aminat kaum sehen…
Doch genauso schnell wie Rosalinda darin ist andere Leute schlecht zu machen, ist sie es, sich selbst in den prächtigsten Farben darzustellen. So ist sie natürlich ungeheuer hübsch, gebildet und lässt das andere auch nur all zu gerne wissen.

Meinung:

Selten habe ich mich bei einem Buch so amüsiert. Ich saß in der Bahn, musste ständig vor mich hinlachen und erntete den ein oder anderen mitleidigen Blick.^^ Alina Bronsky schafft es in einer herrlich sarkastischen und bitterbösen Art das Leben von Rosalinda und ihrer Familie in immer irrwitzigere Bahnen zu lenken. Die Spannung geht nie verloren und somit las sich „Die schärfsten Gerichte der tatarischen Küche“ sehr flott.

Irgendwann ging die Glaubwürdigkeit teilweise doch, zumindest für mein Verständnis, etwas verloren. Mir ist klar, dass es sich um ein fiktives Werk handelt, nichtsdestotrotz wurde es mir teilweise einfach zu viel, wenn nach zig unglücklichen Fügungen eine weitere geschah.

Andererseits schafft Bronsky es sehr sehr glaubwürdig die selbstverliebte und absolut egozentrische Rosalinda darzustellen. Die Folgen ihres Handelns ziehen immer weitere Kreise und so sind letztendlich die Personen, die Rosalinda angeblich am nähsten stehen und am wichtigsten sind, die Leidtragenden.

Fazit:

Rosalinda ist ein absoluter Drache, den man kennengelernt haben sollte und „Scherbenpark“ steht dringender denn je auf meinem Wunschzettel. 😀 4,5 Sterne.

Alina Bronsky: Die schärfsten Gerichte der tatarischen Küche. Kiepenheuer & Witsch. Gebunden: 9783462042351 (18,95€).