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Jacques Berndorf: Eifel-Filz

Inhalt:
Auch in Jacques Berndorfs dritten Eifelkrimi spielt der Journalist Siggi Baumeister die Hauptrolle. Als ein Pärchen auf dem Golfplatz erschossen aufgefunden wird, sieht zunächst alles nach einem Eifersuchtsdrama aus. Doch der Schein trügt mal wieder und in der meist so beschaulichen Eifel gibt es genug dubiose Machenschaften. Mehr möchte ich hier auch nicht vom Inhalt erwähnen, sonst ist schon der halbe Fall aufgedeckt. Aber so viel sei gesagt, Baumeister bekommt mal wieder tatkräftige Unterstützung vom ehemaligen Kriminalbeamten Rodenstock.

Meinung:
Ich war noch nie in der Eifel, aber eigentlich sage ich mir nach jedem Eifelkrimi, dass ich doch ganz gerne einmal dieses Fleckchen Erde und seine herrlich eigenbrödlerischen Einwohner entdecken würde. Schuld ist Berndorf, er schafft es auf eine lustige, sehr unterhaltsame und gut zu lesende Art den Leser in der Eifel gefangen zu nehmen. Man möchte sie gar nicht mehr verlassen und am Ende am liebsten den nächsten Teil der Reihe bestellen.
Allen voran steht natürlich Siggi Baumeister, der „Zugezogene“, der mit seinen Katzen auf einem alten Hof wohnt und meistens ein recht beschauliches Leben führt. Doch als das Pärchen auf dem Golfplatz gefunden wird, ist er Feuer und Flamme und widmet sich mal wieder seinem liebsten Hobby, der Mörderjagd.  Diese ist, wie bereits erwähnt, äußerst spannend. Einzig, dass sich die Ereignisse irgendwann nur noch so überschlagen und eine Unwahrscheinlichkeit nach der anderen passiert, hat mich letztendlich noch gestört.

Fazit:
Ich mag es Reihen zu lesen und bekannte Gesichter wiederzutreffen. Dementsprechend mochte ich auch diesen Eifel-Krimi. Doch so überraschend und ungewöhnlich, wie es der erste Teil war, war dieser hier nicht mehr. Deshalb gibt es auch „nur“ 4 Sterne von mir.

Jacques Berndorf: Eifel-Filz. Grafit. Taschenbuch: 9783894250485 (8,95€).

Jutta Profijt: Kühlfach 4

Inhalt:
Sascha Lerchenberg, genannt Pascha, ist ein einfacher Autodieb, wenn auch ein ziemlich guter. Sein letzter Auftrag, einen Mercedes SLR zu klauen, geht aber gehörig nach hinten los. Was schief gehen kann, geht schief und so findet er sich ziemlich bald in der Kölner Rechtsmedizin wieder. Ganz tot ist er jedoch nicht, seine Seele scheint noch zu leben und er kann Kontakt zu dem spießigen Rechtsmediziner Martin Gänsewein aufnehmen. Gemeinsam nehmen die beiden die Ermittlungen in Paschas Mord auf, denn was wie ein Unfall aussieht, ist keiner.

Meinung:
Wer kurzweilige Unterhaltung sucht, ist bei diesem Buch sehr gut bedient. Profijt schafft es unterhaltsam zu schreiben und dabei nie platt zu werden. Aus Paschas Perspektive erlebt der Leser rückblickend seinen letzten Tag und die folgenden Ermittlungen. Paschas herrlich schnoddrige Art und teilweise ungehobelte Sprache tun ihr übriges dazu, dass das Buch wie im Flug gelesen ist. Am besten sind die Auseinandersetzungen zwischen Pascha und Martin, sie zoffen und bekriegen sich und sind doch voneinander abhängig. Der einzige Makel ist, dass die Handlung teilweise etwas absehbar ist und fast jedes Fettnäpfchen und Unglück mitgenommen wird.

Fazit:
„Kühlfach 4“ ist ein Krimi der etwas anderen Art, der sich sehr gut liest und viel Spaß macht. Für zwischendurch und zum Abschalten ist Profijts Werk nur zu empfehlen. Ich bin froh, dass Teil 2 „Im Kühlfach nebenan“ schon in meinem Regal steht.

Jutta Profijt: Kühlfach 4. dtv. Taschenbuch: 9783423211291 (9,95€).

Alina Bronsky: Die schärfsten Gerichte der tatarischen Küche

Meine Bücherauswahl im letzten Jahr war doch größtenteils eher mittelmäßig, näheres dazu noch im Jahresabschluss. Frau Bronsky hat es aber dann doch noch geschafft mich wieder mit dem geschrieben Wort  zu versöhnen. So endete 2010 gut und 2011 begann auch gleich erfreulich.^^

Inhalt:

Rosalinda Kalganowa ist eine Tatarin, auch wenn sie die meisten Traditionen nicht kennt, so fühlt sie sich doch wie eine. So sollen ihr Name, der ihrer Tochter und der Enkelin auf gar keinen Fall russisch, sondern tatarisch ausgesprochen werden.
Gemeinsam mit ihrem nichts nutzigen Mann Kalganow, der Tochter Sulfia und der Mitbewohnerin Klavdia wohnt sie in einer kleinen Wohnung in einer hässlichen Siedlung in der Sowjetunion, als wie durch ein Wunder, ihre Tochter schwanger geworden ist. Wie genau das passieren konnte, können sich alle nicht so recht erklären. Die jämmerlichen Abtreibungsversuche sind zum Scheitern verdammt und so bringt die, in Rosalindas Augen, dumme und nichts könnende Sulfia zu ihrem Erstaunen eine hübsche Tochter auf die Welt, Aminat. Fortan ist Rosalindas Leben von Aminat bestimmt, sie kümmert sich um sie und erzieht sie. Immer wieder werden ihr Steine in den Weg geworfen, Sulfia haut ab und nimmt das Kind mit, lässt sie Aminat kaum sehen…
Doch genauso schnell wie Rosalinda darin ist andere Leute schlecht zu machen, ist sie es, sich selbst in den prächtigsten Farben darzustellen. So ist sie natürlich ungeheuer hübsch, gebildet und lässt das andere auch nur all zu gerne wissen.

Meinung:

Selten habe ich mich bei einem Buch so amüsiert. Ich saß in der Bahn, musste ständig vor mich hinlachen und erntete den ein oder anderen mitleidigen Blick.^^ Alina Bronsky schafft es in einer herrlich sarkastischen und bitterbösen Art das Leben von Rosalinda und ihrer Familie in immer irrwitzigere Bahnen zu lenken. Die Spannung geht nie verloren und somit las sich „Die schärfsten Gerichte der tatarischen Küche“ sehr flott.

Irgendwann ging die Glaubwürdigkeit teilweise doch, zumindest für mein Verständnis, etwas verloren. Mir ist klar, dass es sich um ein fiktives Werk handelt, nichtsdestotrotz wurde es mir teilweise einfach zu viel, wenn nach zig unglücklichen Fügungen eine weitere geschah.

Andererseits schafft Bronsky es sehr sehr glaubwürdig die selbstverliebte und absolut egozentrische Rosalinda darzustellen. Die Folgen ihres Handelns ziehen immer weitere Kreise und so sind letztendlich die Personen, die Rosalinda angeblich am nähsten stehen und am wichtigsten sind, die Leidtragenden.

Fazit:

Rosalinda ist ein absoluter Drache, den man kennengelernt haben sollte und „Scherbenpark“ steht dringender denn je auf meinem Wunschzettel. 😀 4,5 Sterne.

Alina Bronsky: Die schärfsten Gerichte der tatarischen Küche. Kiepenheuer & Witsch. Gebunden: 9783462042351 (18,95€).