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Jean-Patrick Manchette: Nada

Inhalt:
Die anarchistische Gruppe Nada plant den amerikanischen Botschafter in Paris, Richard Pointdexter, zu kidnappen. Im tiefsten, tristen Winter in den 70er Jahren wird Pointdexter aus einem Bordell entführt und in einem ehemaligen Bauernhof versteckt. Problematisch ist hierbei nicht nur ihr Gegenpart Kommissar Goémond, sondern auch die unterschiedlichen politischen Motive der Entführer.

Meinung:
„Nada“ war eine meiner ältesten SuB-Leichen und wie so oft, habe ich mich etwas geärgert sie solange liegen zu lassen. Manchette ermöglicht dem Leser einen Einblick in die politischen Quereleien des Frankreichs der späten 60er und frühen 70er Jahre. Dies war auch gleich der erste Manko für mich, trotz zahlreicher Erklärungen im Glossar fehlte mir teilweise immer noch der Überblick über die diversen politischen Gruppierungen. Dementsprechend kann ich auch nicht beurteilen, inwiefern die Aktionen der Gruppe „Nada“ in die politische Landschaft Frankreichs passten.
Nichtsdestotrotz ist „Nada“ ein sehr gelungener Kriminalroman und fordert den Leser heraus. Dies liegt zu einem daran, dass Manchette einen zwischen die Fronten wirft. Man kann sich nicht wirklich entscheiden, ob man auf der Seite der Anarchisten oder doch auf der des Staates ist. Beide sind größtenteils unsympathisch, gewalttätig, radikal.
Des Weiteren ist das Ende des Romans absehbar, dies liegt unter anderem daran, dass zu Beginn des Buches ein Brief eines beteiligten Polizisten die Auflösung schon fast verrät. Trotzdem oder gerade deswegen muss man weiterlesen, um zu erfahren, wie es zu dem Ende kommen konnte.
Schließlich ist festzustellen, dass „Nada“, laut Klappentext ein typischer Vertreter des Roman Noirs, ein sehr gelungener Krimi ist. Einzig die Gewaltverherrlichung und extreme Brutalität war mir teilweise etwas zu viel. Das ein oder andere Mal musste ich echt schlucken und sonst bin ich eigentlich nicht so empfindlich.

Fazit:
„Nada“ ist mit den wenigstens aktuellen Krimis vergleichbar, wer über den Tellerrand schauen möchte und unempfindlich gegenüber extremer Gewalt ist, sollte dieses Buch lesen. 4 Sterne.

Jean-Patrick Manchette: Nada. Distel Verlag. Taschenbuch: 3923208553 (9,90€). Diese Ausgabe stimmt nicht mit meiner überein, da meine nicht mehr neu erhältlich ist, jedoch gebraucht.

Jacques Berndorf: Eifel-Filz

Inhalt:
Auch in Jacques Berndorfs dritten Eifelkrimi spielt der Journalist Siggi Baumeister die Hauptrolle. Als ein Pärchen auf dem Golfplatz erschossen aufgefunden wird, sieht zunächst alles nach einem Eifersuchtsdrama aus. Doch der Schein trügt mal wieder und in der meist so beschaulichen Eifel gibt es genug dubiose Machenschaften. Mehr möchte ich hier auch nicht vom Inhalt erwähnen, sonst ist schon der halbe Fall aufgedeckt. Aber so viel sei gesagt, Baumeister bekommt mal wieder tatkräftige Unterstützung vom ehemaligen Kriminalbeamten Rodenstock.

Meinung:
Ich war noch nie in der Eifel, aber eigentlich sage ich mir nach jedem Eifelkrimi, dass ich doch ganz gerne einmal dieses Fleckchen Erde und seine herrlich eigenbrödlerischen Einwohner entdecken würde. Schuld ist Berndorf, er schafft es auf eine lustige, sehr unterhaltsame und gut zu lesende Art den Leser in der Eifel gefangen zu nehmen. Man möchte sie gar nicht mehr verlassen und am Ende am liebsten den nächsten Teil der Reihe bestellen.
Allen voran steht natürlich Siggi Baumeister, der „Zugezogene“, der mit seinen Katzen auf einem alten Hof wohnt und meistens ein recht beschauliches Leben führt. Doch als das Pärchen auf dem Golfplatz gefunden wird, ist er Feuer und Flamme und widmet sich mal wieder seinem liebsten Hobby, der Mörderjagd.  Diese ist, wie bereits erwähnt, äußerst spannend. Einzig, dass sich die Ereignisse irgendwann nur noch so überschlagen und eine Unwahrscheinlichkeit nach der anderen passiert, hat mich letztendlich noch gestört.

Fazit:
Ich mag es Reihen zu lesen und bekannte Gesichter wiederzutreffen. Dementsprechend mochte ich auch diesen Eifel-Krimi. Doch so überraschend und ungewöhnlich, wie es der erste Teil war, war dieser hier nicht mehr. Deshalb gibt es auch „nur“ 4 Sterne von mir.

Jacques Berndorf: Eifel-Filz. Grafit. Taschenbuch: 9783894250485 (8,95€).

Donna Milner: Der Tag, an dem Marilyn starb

Als am 5. August 1962, am selben Tag wie Marilyn Monroe, Lucy Coulter stirbt, hinterlässt sie drei Kinder und einen Ehemann, der sich augenscheinlich nicht um diese kümmern kann. Howard Coulter ist Veteran des 2. Weltkrieges, arbeitet in einem Sägewerk und leidet immer noch unter den psychischen Folgen des Krieges. Er scheint in seiner eigenen Welt zu leben und verschwindet tagelang. Seine Kinder Ethie, 11, Frankie, 20 und der am Down-Syndrom erkrankte Kipper, etwas älter als Ethie, sind die Leidtragenden.

Erst am 6. August wird Lucy auf einem Segelboot mit ihrer besten Freunde Marlene entdeckt, doch warum waren die beiden Frauen dort und stark alkoholisiert, wo Lucy doch nie Alkohol trank?

Ein paar Freunde und Verwandte, unter anderem Lucys Schwester Mildred versuchen den vier zu helfen über die schweren Stunden hinwegzukommen. Doch nun ist es Howard Coulters Aufgabe die Familie zusammenzuhalten. Welches Geheimnis trägt er jedoch mit sich herum?

Donna Milner schafft es auf eine sehr einfühlsame Art und Weise von den Problemen der Familie zu berichten. Zum Beispiel wie die einzelnen Familienmitglieder mit dem Verlust umgehen und ob Howard es schafft sich ausreichend um seine Kinder, allen voran Kipper, der aufgrund seiner Krankheit, mehr Aufmerksamkeit braucht, zu kümmern.

Gleichzeitig schafft sie es ein mir völlig unbekanntes  Thema in ihren Roman mit einzuflechten. Den Einsatz kanadischer Soldaten im 2. Weltkrieg und ihren Kampf v.a. in Hong Kong gegen die Japaner und die anschließende Kriegsgefangenschaft. Ein ebenfalls sehr bedrückender Part des 2. Weltkrieges.

Alles in allem ist „Der Tag, an dem Marilyn starb“ ein sehr eindrucksvoller Familienroman, eingebettet in eine mir unbekannte Kulisse mit sehr sympathischen Charakteren, die jedoch Gott sei dank auch ihre Fehler haben. Einzig und allein ein paar nicht ganz abgeschlossene Fragestellungen haben mich gestört, wobei ich hier nicht verraten möchte, welche. Nichtsdestotrotz kann ich das Buch sehr empfehlen und vergebe 4 Sterne.