Archiv für Januar 2013

Andreas Séché: Zwitschernde Fische

Inhalt:Image

Auf dem Weg in seine Lieblingsbuchhandlung, um für Lesenachschub zu sorgen, landet der Grieche Yannis aus Versehen in einer ihm unbekannten Gasse. Da es auch hier einen Buchladen gibt, betritt er diesen kurzer Hand. Doch etwas ist anders, die Ladentür scheint sich von alleine zu öffnen, die Scheiben des Geschäftes sind beschlagen, es scheint als ob es sich nicht um einen gewöhnlichen Laden handelt. Die Wunderlichkeiten setzen sich innen fort, es ist kein Antiquariat, aber augenscheinlich gibt es nur alte Bücher und es scheint, als ob die Buchhändlerin Lio einer anderen Zeit entsprungen ist. Yannis fühlt sich als ob er mitten in eine Geschichte hineingezogen wird.

Meinung:

Eigentlich liebe ich Bücher über Bücher, eigentlich. Doch Séché hat es mir nicht immer leicht gemacht. Gerade zu Lio konnte ich keine Verbindung aufbauen, sie wirkt oft belehrend, besserwisserisch.

Eine gute Geschichte verlangt immer nach einer Fortsetzung, besonders wenn sie an einer spannenden Stelle unterbrochen wurde.

Yannis wirkt im Gegensatz zu Lio fast naiv, kindlich, erfahrungslos. Es macht ihn aber deutlich sympathischer. Er verliebt sich fast sofort in Lio und wird immer stärker in ihren Bann gezogen.

Nichtsdestotrotz hat Séché einen grandiosen Erzählstil und schafft es mit einfachen Sätzen den Leser zu begeistern und zu überraschen.

Ausgerechnet im Buchladen fing er Feuer.

Der Funke sprang trotzdem nicht über und gerade in der ersten Hälfte vermochte mich die Handlung nicht zu fesseln, ich war kurz davor abzubrechen. Als Lio dann aber plötzlich verschwindet, nahm die Geschichte deutlich an Fahrt auf und das Buch konnte nicht mehr aus der Hand gelegt werden. Die plötzliche auftretende Spannung und die Verbindung des gegenwärtigen Athens mit bedeutenden „Begebenheiten“ in der Literaturgeschichte, von denen ich nicht zu viel verraten möchte, haben schließlich auch mich versöhnt.

Fazit:

Andreas Séché ist ein sprachliches Meisterstück gelungen, welches jedoch von der belehrenden Art seiner Hauptperson Lio und einer für mich schwachen ersten Hälfte getrübt wird. 3 Sterne.

Andreas Séché: Zwitschernde Fische. Ars Vivendi. Gebunden: 978-3-86913-106-1 (16,90€)